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AYMAN
Die Ayman-Story hat mehr Facetten und Kapitel, als es auf den ersten Blick
scheint. Da wäre zum ersten diese außergewöhnlich einfühlsame Stimme, die auf
wundersame Weise den direkten Weg zur Seele seiner Mitmenschen findet – Soul
nennen das die Amerikaner. Zum zweiten gibt es die märchenhafte
Erfolgsgeschichte des Berliners tunesischer Abstammung, der ganz unten anfing
und nach etlichen Jahren harter Arbeit zum Star aufstieg. Das dritte Kapitel
zeigt schließlich einen Cosmopoliten, dessen persönliche Geschichte für gelebte
Völkerverständigung steht. Als Wandler zwischen den Welten ist Ayman somit auch
ein Hoffnungsträger für die Zukunft.
Aber alles der Reihe nach: Seine Stimme fand der heute 30jährige schon früh.
„Mit elf entdeckte ich meine Leidenschaft fürs Singen, ich sang einfach Songs
nach. Meine Idole waren Keith Sweat, Stevie Wonder und Whitney Houston, denn auf
englischsprachige Musik stand ich schon immer“, berichtet Ayman. Anfangs
handelte es sich eher um eine heimliche Leidenschaft. „Selbst auf der Bühne zu
stehen, konnte ich mir nicht vorstellen. Ich war sehr, sehr scheu und hab mich
noch nicht mal getraut, vor drei, vier Leuten zu singen.“ Als ihn schließlich
mehr und mehr Freunde ermutigten, begab sich das zurückhaltende Talent auf die
Suche nach einem Label. Am Ende fand er eine Plattenfirma, die ihn mit Ricky,
der früheren TicTacTöse, zusammen brachte. „Gleich bei ihrer ersten Single
„Schmerz in mir“ durfte ich den Refrain mitsingen. Der Song wurde ein Hit, was
mein Label ermutigte, auch mit mir Solo-Aufnahmen zu machen“, erinnert sich der
muskulöse Typ mit den sensiblen Stimmbändern.
Es folgte eine sechsmonatige Tour als Back-Up-Sänger für Ricky, die ihm half,
seine Ängste zu überwinden. „Das war eine neue Welt für mich. Ich erinnere mich
an den Auftritt in der vollbesetzten Köln Arena. Ich stand hinter Ricky, meine
Stimme, mein ganzer Körper haben gezittert...“ Parallel arbeitete Ayman an
seinem Debütalbum „Hochexplosiv“, für das er etliche Songs gemeinsam mit seinem
Team komponierte. Die erste Single „1.000 Mal“ schaffte es immerhin unter die
Top 50 der Charts, doch erst die zweite Single „Mein Stern“ löste ein, was der
Titel des Album versprach, seine Karriere explodierte förmlich. „Der Song hat
mein ganzes Leben verändert“, weiß er. Im Windschatten von „Mein Stern“ wurde
„Hochexplosiv“ mit 350.000 abgesetzten Exemplaren das erfolgreichste
deutschsprachige Album des Jahres 2000. Die Single „Mein Stern“ kam auf die
stolze Zahl von 650.000 Verkäufen. Ayman wurde gleich mit zwei Echos
ausgezeichnet, sowohl in der Sparte „Bester Rock/Pop Künstler National“ als auch
in der Kategorie „Bester Newcomer National“. Zudem erhielt er die Goldene
Stimmgabel, die Goldene Europa sowie den renommierten Fred-Jay-Preis.
Eineinhalb Jahre schwamm der neue Star auf einer Woge des Erfolgs, dann begannen
die Arbeiten zum zweiten Album. Nach kurzer Zeit stieß er auf die berühmten
künstlerischen Differenzen mit seinem Label. Entschlossen trennte Ayman sich von
seiner alten Plattenfirma, suchte sich neue Partner und gründete sein eigenes
Label AT Records. Nach der geschäftlichen Neuorientierung konnte er sich wieder
auf´s Wesentliche konzentrieren, seine geliebte Musik. „Nicht nur Worte“ heißt
sein neues Album, das den Hörer in die Welt seiner Gefühle einlädt. „Es geht um
Liebe und Hoffnung. Die Lieder verarbeiten meine Erfahrungen der letzten Jahre,
die guten, aber auch die schlechten.“ Musikalisch reflektiert „Nicht nur Worte“
den Geschmack des vielseitig interessierten Künstlers, dessen Spektrum von
hitzigem Soul über gefühlvollen R´n´B und farbenfrohen Pop bis zu feurigem Latin
reicht.
Geboren wurde unser Mann 1974 in Berlin Kreuzberg. Seine Kindheit verlief
reibungslos bis zur dritten Klasse. An diesem Punkt beschloss sein Vater,
langjähriger Mitarbeiter bei Daimler Benz, den Sohn samt Bruder auf ein Internat
in die tunesische Heimat zu schicken. „Wir sollten unsere Kultur und Sprache
besser kennen lernen“, lautete die Begründung. „Nach drei Jahren wollte mein
Vater jedoch nicht mehr getrennt von seiner Familie leben, so gingen wir zurück
nach Berlin.“ Im Anschluss an die zehnte Klasse begann der Schulabgänger eine
Lehre als Straßenbautechniker, die er allerdings aus gesundheitlichen Gründen
abbrechen musste. „Dann bin ich im Sicherheitsdienst gelandet, arbeitete im
Personenschutz für Leute wie David Copperfield, MC Lyte und Dru Hill. In meiner
Jugend hab ich viel Sport gemacht, Fußball, Taekwondo und Kickboxen, anfangs war
ich ein richtig dünner Typ. Später bin ich dann lieber ins Fitness Studio
gegangen, wo ich meine Muskeln aufgebaut habe.“ Zudem zog der leidenschaftliche
Tänzer durch die Clubs der Hauptstadt und bewegte sich begeistert zu den
Club-Hits der US-Stars.
Der Deutsche mit tunesischen Wurzeln war stets von den USA fasziniert. „Von
kleinauf hab ich nach Amerika geguckt, R´n´B, Soul und Hip Hop sind dort
erfunden worden. Mit der Zeit fand ich jedoch einen eigenen Stil, der für meine
Ohren sehr deutsch klingt.“ Ayman versteht sich als weltoffener Typ, „Ich habe
viele Freunde aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen. Die Nationalität oder
die Religion ist für mich nicht ausschlaggebend. Mein Freundeskreis ist wie mein
Publikum, sehr international“, freut sich der umgängliche Weltbürger, der neben
Deutsch und Tunesisch auch Französisch und Englisch spricht. Inzwischen reichen
seine Pläne über die eigene Karriere hinaus. „Natürlich möchte ich als Künstler
langfristig für meine Fans da sein. Dazu möchte ich mit meinem eigenen
Plattenlabel einmal jungen Künstlern helfen, sich selbst zu verwirklichen“,
formuliert er seine Vision. Einen besseren Coach als Ayman können neue Talente
kaum finden, gelingt ihm kraft seiner Stimme doch ein außerordentlich seltenes
Kunststück: Menschen verschiedener Kulturen, Hautfarben und Altersgruppen
zusammenzubringen.
Link zu Ayman
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