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PAUL CARRACK
I Know That Name
Paul Carrack ist ein Musiker, der ebenso unverwüstlich ist wie jener rostfreie
Stahl, der vor knapp 100 Jahren in seiner Heimatstadt Sheffield entwickelt
wurde. Der britische Sänger, Gitarrist und Keyboarder, der heute im einem altem
Farmhaus aus dem 16. Jahrhundert im Westen Londons lebt, hat sein Talent als
Songwriter und Begleitmusiker im Verlaufe der letzten vier Dekaden so weit
gestreut, dass ihn sein vielfältiges Schaffen geradezu als wandelndes
Rocklexikon ausweist. Seit seinem Album „Satisfy My Soul“ aus dem Jahr 2000 hat
der Mann, der in der Soulmusik tief verwurzelt ist und dem Blue Eyed Soul immer
wieder neues Leben einzuhauchen versteht, noch stärker zu sich selbst gefunden,
seine eigene Künstlerpersönlichkeit geschliffen und zum Funkeln gebracht.
Nachdem er auf seinen beiden Alben „Groovin‘“ (2001) und „Old, New, Borrowed And
Blue“ (2007) vornehmlich Popklassiker und Songs aus fremder Feder interpretiert
hatte, besteht das neue Album wieder überwiegend aus Eigenkompositionen.
„I Know That Name“ nennt Paul Carrack sein neues Album mit feiner Selbstironie
und einem gewissen Understatement, hat ihn das englische Musikmagazin MOJO nicht
von ungefähr als „den Mann mit den 1000 Gastauftritten“ genannt. Tatsächlich
wird er als Musiker und Songwriter von etlichen Kollegen besonders hoch
geschätzt. Jüngstes Beispiel ist die aktuelle Single des neuen Albums, „I Don’t
Want To Hear Any More“, ein Song, den Carrack ursprünglich im Auftrag der Eagles
komponiert hatte und der auf deren phänomenalem Comeback-Album „Long Road Out Of
Eden“ zu finden war, das im letzten Jahr weltweit die Charts stürmte und der
Band zugleich einen Grammy, zwei Brit Awards und einen Echo bescherte. Im
Gegenzug wirkten nun an Paul Carracks eigener Version Don Henley und Timothy B.
Schmit von den Eagles als Backgroundsänger mit. Dieser Song mit den
archetypischen Eagles-Höhenflug-Harmonien wirkt wie ein Edelstein, der schon
seit Ewigkeiten am Rande eines gottverlassenen Highways gelegen und nur darauf
gewartet hat, aufgelesen und veredelt zu werden. Ein zum zeitlosen Klassiker
geschaffener Song.
Auf seinem neuen Werk bewegt sich Paul Carrack, der einmal mehr das komplette
Album nahezu im Alleingang aufgenommen und produziert hat, durchweg auf
vertrautem Terrain. Branchenlegende Dave Robinson, Gründer von Stiff Records,
stand ihm dabei als Co-Produzent zur Seite. Nur „Ain‘t No Love In The Heart Of
The City“, aufgenommen bereits im Frühjahr dieses Jahres, entstand unter der
Ägide des Produzenten Peter Collins (Tracey Chapman, Jewel). Der Teaser zum
Album besticht durch präzise Memphis-Horns und eine Blues-Melodik, wie man sie
von Eric Clapton oder Steve Miller kennt. Noch feuriger klingen die Bläser auf
„No Doubt About It“. Nicht umsonst beginnt dieser mit Philly-Streichern und
flirrendem E-Piano angereicherte Song mit der Zeile: „Used to be superstitious“.
Unschwer erkennt man in dem Danceflooranwärter eine leidenschaftliche Hommage an
Stevie Wonder, eines der großen Idole von Paul Carrack. Für verstärkt
wohltemperierte Atmosphäre sorgen die beiden Reggae-Nummern „Just For Tonight“
und „Eyes Of Blue“, die Adaption eines Songs aus seinem 1996er Album „Blue
Views“. Wunderbar - hat Paul Carrack für beide Titel einen warmen, an das
legendäre Reggaelabel Trojan erinnernden Sound kreiert.
Die stilistische Palette des nunmehr achten Longplayers auf seinem eigenen Label
reicht von der feinfühligen Ballade „Am I In That Dream?“, die unweigerlich an
die goldene Ära eines Burt Bacharach denken lässt, bis hin zu dem
unwiderstehlichen Delta-Blues „Stay Awake“, dessen Beat entfernt an den
Santana-Evergreen „Black Magic Woman“ erinnert. Ein weiteres Highlight des
Albums ist sicherlich das Mitwirken der 73-jährigen Memphis-Soul-Legende Sam
Moore (von Sam & Dave), der auf „Love’s Thicker Than Water“ als Duettpartner
glänzt und ein Paradebeispiel klassischer Soulmusik abliefert, wie Carrack sie
seit jeher liebt und seit Dekaden mit Leidenschaft und Lust beherrscht.
„I Know That Name“ will kein innovatives, bahnbrechendes Werk sein, vielmehr
pflegt Carrack hier bewährte Traditionen mit feinem Gespür für elegante
Melodienführung, nuancenreiche Produktion und potentielle Hits. Paul Carrack
sagt, die für ihn besten Bedingungen für gutes Songwriting seien „ein gut
gefüllter Kühlschrank, das nötige Geld auf dem Konto, ein Auto in der Auffahrt,
bezahlte Hypotheken und gesunde und glückliche Kinder“. Geht man von der
Qualität der neuen Songs aus, sind all diese Prämissen für den vierfachen Vater
mehr als erfüllt.
Paul Carracks abwechslungsreiche Karriere begann bereits in den Siebzigern. Mit
seiner Band Ace landete er 1975 mit „How Long“ einen seiner international
größten Hits, der ihm noch immer so viel bedeutet, dass er ihn noch heute gerne
in sein Live-Repertoire aufnimmt. Nachdem er Ende der Siebziger zunächst bei
Frankie Miller und anschließend bei Roxy Music als Keyboarder tätig war,
veröffentlichte er 1980 sein erstes Soloalbum. Ein Jahr später stieg er als
Keyboarder bei Squeeze ein, bei deren Top-Hit „Tempted“ er auch den Leadgesang
übernahm. Die Achtziger waren für Carrack vielleicht die bewegteste Dekade
seiner Karriere: Aufnahmesessions mit den Pretenders und den Smiths, Konzerte
mit Roger Waters und Nick Lowe sowie sein Einstieg bei Mike + The Mechanics
(Carracks Stimme zierte deren Smash-Hits „Silent Running“ und „The Living
Years“) dokumentieren dies hinreichend. Als Solomusiker gelang ihm 1987 mit
„Don’t Shed A Tear“ ein weiterer US-Top-Ten-Hit. Sowohl Squeeze als auch Mike +
The Mechanics blieb er lange Jahre treu. Zu den denkwürdigsten Kollaborationen
zählt seine Teilnahme an Roger Waters‘ Live-Inzenierung von „The Wall“ 1990 in
Berlin sowie an Elton Johns legendärer Neuauflage von „Candle In The Wind“ aus
dem Jahr 1997 zum Angedenken an Lady Di. Zwar spielte Carrack lediglich die
Keyboards auf der B-Seite „Something About The Way You Look Tonight“, aber
schließlich war dies die meistverkaufte UK-Single aller Zeiten.
Neben den mehr als 70 Produktionen befreundeter Künstler, an denen Paul Carrack
bis zum heutigen Tage mitwirkte – die Liste reicht von B.B. King und Eric
Clapton bis Diana Ross und Tom Jones – ist es auch sein Können als Live-Musiker,
das ihm immer wieder unverhoffte Engagements eingebracht hat, wie etwa die
Tournee mit Ringo Starr vor fünf Jahren. Paul Carracks eigene, siebenköpfige
Begleitband stammt übrigens wie ihr Leader aus Sheffield und hat sich in den
letzten zehn Jahren zu einer homogenen Truppe entwickelt, die das facettenreiche
Oeuvre live fantastisch umzusetzen weiß. Was Paul Carrack besonders schätzt,
sind die selbstlose Unterstützung seiner Band und die
familiär-freundschaftlichen Beziehungen zueinander. Ende Oktober startet bereits
die umfangreiche, bis Februar 2009 reichende Tournee von Paul Carrack und seiner
Band durchs Vereinte Königreich. „I Know That Name“ und die Tournee bieten einen
willkommenen Anlass fürs britische Fernsehen, im Oktober ein Filmporträt über
den Musiker auszustrahlen, der sicherlich zu den emsigsten und integersten
seiner Zunft gehört. Am 24. Oktober auf SAT1 Hitgiganten,
im Dezember kommt Paul Carrack für drei Konzerte auch nach Deutschland.
Eine große Deutschlandtournee ist für März 2009 geplant.
Link zu Paul Carrack |
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